Das Währungsrisiko: wenn die Währung das Ergebnis einer Anlage verändert
Wer eine in Dollar notierte Aktie kauft und in Euro rechnet, setzt sich zwei Faktoren gleichzeitig aus: der Aktie und der Währung. Das Endergebnis hängt von beiden ab. Dieser zweite Faktor, das Währungsrisiko, bleibt oft unbemerkt, weil er im Aktienkurs nicht sichtbar ist, und kann doch einen Teil der Performance verstärken oder auslöschen. Dieser Artikel erklärt den Mechanismus mit einem Rechenbeispiel, die Möglichkeiten zur Absicherung und ihre Grenzen.
Der Mechanismus: zwei Veränderungen, die sich verbinden
Für einen Anleger, dessen Referenzwährung der Euro ist, verbindet die Performance einer in anderer Währung notierten Aktie:
- die Kursveränderung der Aktie in ihrer ursprünglichen Währung;
- die Veränderung des Wechselkurses zwischen dieser Währung und dem Euro.
Fiktives Beispiel. Ein Anleger kauft eine US-Aktie für 1.000 $ zu einem Zeitpunkt, an dem 1 € 1,10 $ entspricht, also rund 909 € investiert. Ein Jahr später ist die Aktie um 10 % gestiegen und 1.100 $ wert. Aber der Dollar hat abgewertet: 1 € entspricht nun 1,20 $. Die 1.100 $ sind 1.100 ÷ 1,20 = rund 917 € wert.
Der Gewinn in Dollar beträgt 10 %, der Gewinn in Euro nur rund 0,8 %. Hätte der Dollar hingegen aufgewertet (1 € = 1,00 $), wären die 1.100 $ 1.100 € wert, also ein Gewinn von rund 21 % in Euro. Die Währung hat in beide Richtungen gewirkt.
Woher kommt das Währungsrisiko?
- Die Notierungswährung: Jede außerhalb der Eurozone notierte Aktie setzt einer Fremdwährung aus.
- ETF und Fonds, auch wenn sie in Euro notieren, die Wertpapiere in Fremdwährung halten: Das Risiko besteht, nur indirekt.
- Der Umsatz des Unternehmens: Eine europäische Gesellschaft, die den Großteil ihrer Umsätze in Dollar erzielt, reagiert ebenfalls auf diese Währung, auch wenn ihre Aktie in Euro notiert.
Kann man sich gegen das Währungsrisiko absichern?
Es gibt sogenannte „währungsgesicherte“ Produkte, die den Währungseffekt weitgehend neutralisieren. Einige Punkte sind zu beachten:
- Die Absicherung kostet, abhängig unter anderem vom Zinsunterschied zwischen den Währungen, und verringert die Performance.
- Sie neutralisiert auch Währungsgewinne, nicht nur Verluste.
- Sie ist nie perfekt.
- Nicht abzusichern ist eine mögliche Entscheidung: Der Währungseffekt kann von Zeitraum zu Zeitraum stark schwanken.
Eine einheitliche Antwort gibt es daher nicht: Entscheidend ist, ob man sich des Risikos bewusst ist und ob es zum eigenen Anlagehorizont und zur eigenen Risikotoleranz passt.
Punkte, auf die man achten sollte
- In einer einzigen Währung denken. Die Performance einer Aktie in Dollar und einer anderen in Euro ohne Umrechnung zu vergleichen, ergibt ein verzerrtes Bild.
- Das indirekte Risiko vergessen eines Welt-ETF oder einer multinationalen Aktie.
- Wechselkursgebühren: Der Kauf einer Aktie in anderer Währung kann beim Broker Umrechnungsgebühren verursachen. Lesen Sie die Auswirkung von Gebühren auf die Performance.
- Die Währungsstreuung ist eine eigene Dimension eines Portfolios, ebenso wie Branchen oder Regionen: Lesen Sie wie man ein Aktienportfolio diversifiziert.
Das Wichtigste in Kürze
- Performance in Euro = Performance der Aktie in ihrer Währung, verbunden mit der Veränderung des Wechselkurses.
- Der Wechselkurs kann einen Gewinn verstärken, ihn auslöschen oder einen Verlust vergrößern.
- Ein ETF oder ein multinationales Unternehmen kann dem Währungsrisiko aussetzen, ohne dass die Notierung es zeigt.
- Die Absicherung verringert den Währungseffekt, kostet aber und neutralisiert auch Währungsgewinne.
In Earnnest werden die Beträge in der Währung jedes Wertpapiers angegeben; eine in Euro umgerechnete Summe nennt den verwendeten Kurs und das Datum.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Bildung und stellt keine persönliche Anlageberatung dar. Die Zahlen der Beispiele sind fiktiv und illustrativ. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.