Die teuersten Anlagefehler entstehen selten aus Unwissen. Sie entstehen aus Entscheidungen im Affekt: mitten im Crash verkaufen oder aus Euphorie kaufen. Ein schriftlicher Plan ist ein Versprechen an sich selbst, mit kühlem Kopf verfasst, das Sie wieder lesen, wenn der Markt unruhig wird.
Warum aufschreiben
Ein gedachter Plan verformt sich. Man erinnert sich an seine Regeln, wenn alles gut läuft, und vergisst sie, sobald sie unbequem werden. Ein datiertes Dokument lässt sich nicht umdeuten: Es erinnert Sie an das, was Sie vor der Panik entschieden hatten. Es hilft Ihnen auch, Ihre Ergebnisse an einem Ziel zu messen, statt an der Performance anderer.
Die Bestandteile eines Plans
- Ziel: Wofür investieren Sie (Altersvorsorge, Projekt, Vermögensübertragung) und für welchen ungefähren Betrag?
- Horizont: In wie vielen Jahren brauchen Sie dieses Geld?
- Risikotragfähigkeit und -toleranz: Welchen Rückgang können Sie finanziell und psychologisch verkraften?
- Zielallokation: die Aufteilung auf Aktien, Anleihen und Liquidität, mit Bandbreiten.
- Anlagerhythmus: regelmäßige Einzahlungen, Beträge, Periodizität.
- Regeln für die Umschichtung: In welchen Abständen oder bei welcher Abweichung handeln Sie?
- Ausstiegsregeln: In welchen Fällen verkaufen Sie? Eine Änderung des Ziels, niemals ein Titel, der von selbst fällt.
- Was Sie nicht tun werden: Hebel, Produkte, die Sie nicht verstehen, Entscheidungen aufgrund eines Gerüchts.
Planauszug (fiktiv)
„Ich investiere, um in 20 Jahren mein Einkommen zu ergänzen. Ich zahle 300 € pro Monat ein. Meine Zielallokation beträgt 70 % Aktien und 30 % Anleihen und Liquidität, mit einer Toleranz von plus/minus 5 Punkten. Ich schichte einmal im Jahr um. Wenn mein Portfolio um 30 % fällt, verkaufe ich nicht: Ich lese diesen Plan erneut und warte 30 Tage, bevor ich irgendetwas entscheide.“ Dieser Text ist ein veranschaulichendes Muster, keine Empfehlung.
Fragen Sie sich ehrlich, wie Sie auf einen Rückgang Ihres Portfolios um 30 % reagieren würden. Wenn die Antwort lautet, dass Sie am liebsten alles verkaufen würden, ist Ihre Allokation zu aggressiv für Sie, unabhängig von ihrer theoretischen Berechtigung. Ein guter Plan ist ein Plan, den man durchhält, nicht einer, der auf dem Papier optimal ist. Lesen Sie ihn ein- bis zweimal im Jahr und bei jedem wichtigen Lebensereignis erneut: Jobwechsel, Geburt, Immobilienprojekt. Überarbeiten Sie ihn, wenn sich Ihre Situation ändert, nicht wenn sich die Märkte ändern. Führen Sie schließlich ein kleines Journal Ihrer Entscheidungen: Wer notiert, warum er gehandelt hat, erkennt die eigenen Reflexe.
Die Wartefrist-Regel
Legen Sie sich vor jeder Entscheidung, die vom Plan abweicht, eine Bedenkzeit (einige Tage) auf. Die meisten Impulse klingen schneller ab, als die Märkte drehen.
Zum Merken
- ✓Ein mit kühlem Kopf geschriebener Plan schützt vor Entscheidungen im Affekt.
- ✓Ziel, Horizont, Risikotoleranz, Allokation und Handlungsregeln bilden den Kern.
- ✓Überarbeiten Sie ihn, wenn sich Ihr Leben ändert, nicht wenn der Markt unruhig wird.