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Nettoverschuldung, Zinsdeckung: die Solidität eines Unternehmens beurteilen

Die Kennzahlen, die zeigen, ob ein Unternehmen seine Schulden tragen kann.

9 Min. Lesezeit · Fortgeschritten

Ein verschuldetes Unternehmen ist nicht zwangsläufig fragil, und ein schuldenfreies nicht zwangsläufig solide. Entscheidend ist seine Fähigkeit, seinen Verpflichtungen dauerhaft nachzukommen. Drei einfache Werkzeuge vermitteln anhand von Bilanz und GuV einen ersten Eindruck.

Nettoverschuldung und Hebel

Die Bruttoverschuldung addiert alle Kredite des Unternehmens. Manche halten jedoch auch viel Liquidität, mit der sich ein Teil der Schulden zurückzahlen ließe. Man berechnet daher die Nettoverschuldung: Finanzschulden minus verfügbare Liquidität. Eine negative Nettoverschuldung bedeutet, dass das Unternehmen mehr Liquidität als Schulden hält. Um zu beurteilen, ob die Schuldenlast schwer ist, setzt man sie ins Verhältnis zu dem, was das Unternehmen verdient. Die Kennzahl Nettoverschuldung / EBITDA zeigt, in wie vielen Jahren des operativen Bruttoergebnisses (vor Abschreibungen) es seine Nettoschulden zurückzahlen könnte. Je niedriger sie ist, desto größer der Spielraum. Die Schwellenwerte unterscheiden sich stark je nach Branche: Ein Versorger mit sehr stabilen Einnahmen verkraftet mehr Schulden als ein Technologieunternehmen mit zyklischen Einnahmen.

Zinsdeckung und Solidität

Die Zinsdeckung vergleicht das operative Ergebnis mit den jährlich zu zahlenden Zinsen. Sie beantwortet eine konkrete Frage: Decken die Gewinne die Schuldenlast, und mit welchem Puffer? Achten Sie auch auf den Fälligkeitsplan: Eine Schuld, die in 12 Monaten fällig wird, wiegt weit schwerer als dieselbe Schuld in 10 Jahren. Auch die Zinsart zählt, denn eine variabel verzinste Schuld ist steigenden Zinsen stärker ausgesetzt. Schließlich sagt der Trend mehr als eine einzelne Zahl: Ein Hebel, der Quartal für Quartal steigt, ist ein Signal, das Sie nicht ignorieren sollten.

Zinsdeckung = operatives Ergebnis / Zinsaufwand

Unter 1,5 genügt der kleinste Rückschlag, um das Unternehmen in Schwierigkeiten zu bringen.

Zahlenbeispiel (fiktiv)

Gesellschaft A hat 500 Mio. € Schulden, 200 Mio. € Liquidität, ein EBITDA von 150 Mio. € und ein operatives Ergebnis von 100 Mio. € bei 20 Mio. € Zinsen. Ihre Nettoverschuldung beträgt 300 Mio. €, also das Zweifache des EBITDA, und ihre Zinsdeckung liegt bei 5. Gesellschaft B hat dieselbe Nettoverschuldung, aber ein EBITDA von 50 Mio. € und ein operatives Ergebnis von 25 Mio. € bei 20 Mio. € Zinsen: Sie weist einen Hebel von 6 und eine Zinsdeckung von 1,25 auf — ein bescheidener Geschäftsrückgang würde die Zinszahlung gefährden. Veranschaulichendes Beispiel.

Schulden verstärken die Zyklen

In guten Zeiten verstärken Schulden die Rentabilität. In schwierigen Zeiten bleiben die Zinsen geschuldet, während das Ergebnis sinkt. Ein stark verschuldetes Unternehmen in einer zyklischen Branche vereint beide Schwächen.

Zum Merken

  • ✓Die Nettoverschuldung (Schulden minus Liquidität) zeichnet ein zutreffenderes Bild als die Bruttoverschuldung.
  • ✓Hebel und Zinsdeckung werden im Vergleich zur Branche und zum Trend gelesen, nie als Absolutwert.
  • ✓Fälligkeitsplan und Zinsart zählen so viel wie die Höhe der Schulden.

Bildungsinhalte, ausschließlich zur Information: weder Anlageberatung noch persönliche Empfehlung. Vergangene Wertentwicklungen sagen nichts über künftige aus.